Psychische Krankheiten nehmen zu: Macht die Arbeitswelt uns alle krank?

Montag, 5. Juli 2010

Einen Krankenstand von 3,3 Prozent, aber eine Zunahme der psychisch bedingten Krankschreibungen innerhalb der letzten zehn Jahre um 40 Prozent – das ist die erschreckende Bilanz eines Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse. Dabei hat die Krankenkasse nicht nur die Daten zu Krankschreibungen und Arzneiverordnungen des Jahres 2009 betrachtet, sondern bezieht sich auf die Entwicklungen einer ganzen Dekade.

Die Hauptursache für Fehlzeiten bei Erwerbstätigen und Arbeitslosen liegt in Muskel-Skelett-Erkrankungen, aber vor allem zunehmend auch in psychischen Störungen. Etwa 1,6 Tage von den durchschnittlich 12 Tagen an Krankschreibungen waren im letzten Jahr psychisch bedingt.

Nach Ansicht des TK-Vorstandes ist diese Tendenz auf die sich wandelnde Arbeitswelt zurück zu führen. Befristete Arbeitsverträge, ständige Erreichbarkeit dank moderner Kommunikationsmittel – das hinterlasse eindeutige Spuren bei den Beschäftigten. Es entstehe eine „Pop up-Gesellschaft“, die immer weniger selbstbestimmt sei, sondern gerade im Arbeitsleben zunehmen von Pop up-Fenstern über Posteingänge und Kurznachrichten dirigiert werde.

Beunruhigend ist nach der Aussage der Krankenkasse auch das gestiegene Volumen der Antidepressiva. Die Verordnungen haben bei Frauen innerhalb der letzten zehn Jahre um fast 100 Prozent zugenommen, bei Männern liegt der Anstieg sogar bei 120 Prozent. Noch weit höher liegen die Zahlen bei Arbeitslosen. So seien Arbeitslose von allen Diagnosen weit häufiger betroffen als Erwerbstätige, besonders aber im psychischen Bereich.

Das Volumen der psychisch bedingten Fehlzeiten entsteht vor allem auch durch die auffallend lange Krankheitsdauer. Dies zeigt sich vor allem in der Bezugsdauer des Krankengelds, das nach einer Krankschreibung von mehr als sechs Wochen von der Krankenkasse gezahlt wird. Schon 2004 machten die mit Krankengeld verbundenen Fehlzeiten etwa 26 Prozent der Gesamtfehlzeit aus, die durchschnittliche Dauer des Krankengeldbezugs lag bei 84 Tagen.

Mit Einführung der Hartz-Gesetzgebung ist die mit Krankengeld verbundene Arbeitsunfähigkeit auf fast 30 Prozent gestiegen, die Anspruchsdauer liegt bei fast 100 Tagen. All das zeige einen direkten Zusammenhang zwischen den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und den Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, so der TK-Vorstand.

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