Eigene Wohnung: Junge Menschen ziehen in die Nähe der Eltern

Freitag, 15. April 2011

Für junge Menschen ist es irgendwann an der Zeit, flügge zu werden und das heimische Nest zu verlassen – so jedenfalls sollte es im Interesse der eigenen Selbständigkeit sein. Gerade für die Eltern ist dies sicher anfangs ein merkwürdiges Gefühl, wenn das eigene Heim auf einmal „zu groß“ zu werden scheint. Doch ein kleiner Trost bleibt – die meisten jungen Erwachsenen bleiben in der Nähe des elterlichen Wohnorts und ziehen kaum weiter weg als zehn Kilometer vom heimischen Herd.

Rund zehn Prozent ziehen sogar noch weniger als einen halben Kilometer von zu Hause weg. Zu diesem überraschenden Ergebnis kam nun eine Studie der DIW Berlin und der Universität Bamberg. Besonders auffällig – leben die Eltern noch in dem Ort, in dem die jungen Leute aufgewachsen sind, dann bleiben sie dort in der Nähe.

Für die Studien waren Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet worden. Das SOEP wertet in einer langjährigen interdisziplinären Längsschnittuntersuchung kontinuierlich Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale, Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit aus.

Für die Fragestellung der Universität Bamberg waren entsprechende Daten des SOEP ausgewertet worden. Vor allem weniger gebildete Jugendliche bleiben nach dem Auszug von zu Hause in der Nähe der Eltern, wobei auch mangelnde Arbeitsplätze in der Region kaum ein Grund sind, weiter als 20 Kilometer von zu Hause wegzuziehen.

Besonders auffällig ist, dass junge Männer im Osten Deutschlands nicht von zu Hause wegziehen, anders als die jungen Frauen, die meist deutlich besser ausgebildet sind und in der Heimat keinen passenden Arbeitsplatz oder einen geeigneten Partner finden.

Diese jungen Frauen wollen in der Regel einen Partner, der mindestens genauso viel verdient und einen gleichwertigen Schulabschluss hat.
Mit den Ergebnissen der Studien wird die Auffassung in Frage gestellt, nach der die erste eigene Wohnung eine maßgebliche Rolle beim Erwachsenwerden spielt.

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