Abgelaufene Medikamente: Ablaufdatum im Auge behalten

Dienstag, 19. April 2011

Dass Arzneimittel nicht über ihr Verfalldatum hinaus angewendet werden sollen, ist hinlänglich bekannt. Die Pharmazeutische Zeitung berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe einmal mehr über die Gefahren abgelaufener Medikamente. Berichte, nach denen Arzneimittel problemlos auch nach dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums verwendet werden können, sind ebenso falsch wie gefährlich. Und doch kursieren solche Berichte gerade im Augenblick immer wieder in den einschlägigen Medien, weiß Apothekerin Professor Dr. Charlotte Kloft, Mitglied der Chefredaktion der Zeitung.

So sei die zuverlässige Wirkung von Medikamenten auch über das Verfalldatum hinaus aus medizinischer, aber auch aus chemischer und mikrobiologischer Sicht kaum haltbar. Zwar müssen alle Arzneimittel die gleichen Qualitätsanforderungen erfüllen, doch gerade das führt dazu, dass es keine „Sicherheit zweiter Klasse“ gibt bei Medikamenten gegen scheinbar harmlose gesundheitliche Probleme wie Kopfschmerzen oder Schnupfen.

Eine unvorhergesehen lange Lagerung über die bestätigte Haltbarkeit hinaus kann dazu führen, dass sich Wirkstoffe abbauen – was am Ende zu möglichen Unterdosierungen führt, die wirkungslos bleiben. Viel schlimmer aber – manche Medikamente bilden toxische Nebenprodukte oder setzen einen mikrobiellen Befall an.

Schon im Rahmen des Zulassungsverfahrens werden die Grenzen für den zulässigen Wirkstoffgehalt bei jedem Arzneimittel festgelegt. Mit dem Erreichen des Verfalldatums müssen Tabletten noch mindestens 95 Prozent der angegebenen Wirkstoffe enthalten. Auch toxische Abbauprodukte dürfen dann noch nicht entstanden sein. Der Hersteller ist verpflichtet, die Haltbarkeit des Arzneimittels in Tests nachzuweisen. Beschränkt ist die maximale Verwendungsfrist auf fünf Jahre. Entsprechend dürfen Medikamente, die in ihrer Qualität gemindert sind, nicht in Umlauf gebracht werden. Schon das Arzneimittelgesetz verbietet dies.

Die Gefahr abgelaufener Medikamente ist also keinesfalls zu unterschätzen. Schon vor dem Hintergrund einer toxischen Nebenwirkung durch die Zersetzung diverser Inhaltsstoffe sollte man von Zeit zu Zeit einen kritischen Blick in den Arzneimittelschrank werfen und abgelaufene Mittel in der Apotheke fachgerecht entsorgen lassen.

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