Radioaktivitäts-Grenzwerte für Lebensmittel

Dienstag, 26. April 2011

Bisher galten die aktuellen Radioaktivitäts-Grenzwerte für Lebensmittel als ausreichend zum Schutz vor gesundheitlichen Risiken. Doch die Ereignisse im japanischen Fukushima zeigten einmal mehr, dass die Unterschiedlichkeit der Werte eher für Verwirrung sorgt als zur Beruhigung beiträgt. Schon deshalb setzt sich die Bundesregierung in der Europäischen Union nun für eine umfassende Harmonisierung der Werte ein.

Ob Lebensmittel aus Tschernobyl oder aus Fukushima – sie sind derzeit gekennzeichnet durch differierende Grenzwerte. Für den Verbraucher nicht nachvollziehbar, möchte die Bundesregierung in Brüssel nun eine Vereinheitlichung der Werte erreichen. Danach soll immer der niedrigste, weil sicherste Grenzwert angesetzt werden – eine Maßgabe des vorsorgenden Gesundheitsschutzes.
Nationale Regelungen sind in unserem heutigen freien Warenverkehr schlicht unzureichend. Schon deshalb hatte die EU Grenzwerte für mit Radioaktivität belastete Lebensmittel festgesetzt. Diese Werte allerdings variieren je nach nationaler Umsetzung von Land zu Land.

So ist für Lebensmittel aus Drittstaaten, die aus dem Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986 belastet sind, die Tschernobyl-Verordnung der EU aus 1987 maßgeblich. Danach ist Cäsium in dieser Reglung von sehr großer Bedeutung, denn es hat auch nach der Halbwertzeit von 30 Jahren noch über 50 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität. So sind einige Lebensmittelgruppen wie Wildbret, Pilze und Beeren noch heute davon betroffen. Damit zielt die Tschernobyl-Verordnung vor allem auf die langfristige Belastung ab.

Für japanische Lebensmittel wiederum gilt seit dem 25. März 2011 eine besondere Verordnung, die auf der Euratom-Verordnung von 1987 basiert. Sie reguliert die Obergrenzen von Lebensmitteln falls ein atomarer Notstand entsteht, der Auswirkungen auf Europa hat. Die Grenzwerte entsprechend den international verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und kommen nun auch für die neue Verordnung für japanische Lebensmittel zur Anwendung. Damit ist vor allem die kurzzeitige Belastung einiger weniger japanischer Lebensmittel abgesichert. Allerdings enthält die Verordnung auch Regelungen zu radioaktivem Jod, wofür es bisher in Europa keine Höchstwerte gab. Gleiches gilt für die Werte von Plutonium und Strontium.
Eine Vereinheitlichung der Regeln scheint hier also dringend erforderlich.

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