ADS: Medikamente und Behandlung von ADHS Patienten

Freitag, 3. Juni 2011

Eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) brachte es an den Tag – für Kinder mit AD(H)S, dem sogenannten Zappelphilipp-Syndrom, werden zunehmend stark wirksame Medikamente verschrieben.

So wurden im Jahr 2009 von 1.000 Versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren etwa 27 mit Methylphenidat behandelt, das im Handel unter dem Namen des Originalpräparats Ritalin bekannt ist. Im Jahr 2006 waren dies noch 20 Kinder von 1.000, was einer Zunahme von 32 Prozent entspricht. Eine erschreckende Steigerung?

Sind Medikamente wirklich der richtige Weg?

Ganz ähnliche Zahlen weist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aus. Hier spricht man um eine Steigerung des an Apotheken gelieferten Wirkstoffs um 42 Prozent im direkten Vergleich der Jahre 2006 bis 2009. Zieht man die reine Menge der Tagesdosis in Vergleich, dann bestätigt die TK diese Zahlen. Die durchschnittlich verschriebene Menge pro Patient zwischen sechs und 18 Jahren liegt 2006 bei 195 Tagesdosierungen – doch im Jahr 2009 waren es bereits 213 Dosierungen. Das entspricht einer Steigerung von mehr als neun Prozent.

Dabei benötigt nicht jedes lebhafte Kind solche Medikamente, und nicht jeder kleine Patient leidet an dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom! So empfiehlt die TK dann auch, bei der Behandlung mit solchen Medikamenten entsprechend vorsichtig zu sein. In jedem Fall sollte ein einschlägig ausgebildeter Arzt gemeinsam mit Eltern und Lehrern klären, ob die Symptome nicht auch auf andere Ursachen zurückzuführen sind. Nur dann und mit einer sorgfältigen Diagnose kann eine geeignete Therapie gefunden werden, die zielgerichtet wirkt und trotzdem den Einsatz von starkwirkenden Medikamenten vermeidet.

Denn Ritalin und Co. sind in ihrer Wirkung hinsichtlich der Langzeitfolgen und der Nebenwirkungen umstritten und noch nicht in vollem Umfang erforscht. Schon deshalb hatte der Gemeinsame Bundesausschuß von Ärzten und Krankenkassen in seinen Arzneimittelrichtlinien aus Dezember 2010 beschlossen, daß Arzneimittel wie Ritalin nur noch in besonderen Ausnahmefällen verschrieben werden dürfen. In jedem Fall müssen Betroffene lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen – auch ohne Arzneimittel.

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