Psychotherapie und Gutachtenverfahren: Sinnvoll oder doch viel zu aufwändig

Dienstag, 26. Juli 2011

Es ist ein erschreckendes Bild, das eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK) zeichnet – psychische Erkrankungen sind immer mehr auf dem Vormarsch. Depressionen, Angstzustände, Burn Out – so lauten die häufigsten Diagnosen.

Entsprechend nehmen die Verordnungen von Psychopharmaka massiv zu, und die Psychotherapie ist als ärztliche Leistung sowieso immer mehr gefragt. Die Wartezimmer der Psychotherapeuten sind voll, lange Wartezeiten sind die Regel. Sogar eine Langzeitstudie der TK wurde nun ins Leben gerufen und ausgewertet. Sie zeigt, dass psychotherapeutische Maßnahmen sehr wohl hilfreich und zielführend sind – und den Betroffenen den Weg zurück ins Leben in vielen Fällen erst ermöglichen.

Auch der Nutzen für die gesamte Wirtschaft wurde quantifiziert – und doch ist die Psychotherapie immer noch viel zu bürokratisch organisiert. Lange Genehmigungszeiten bei den gesetzlichen Kassen sind die Regel – und hier sollte sich etwas ändern, so die Hoffnung der TK.

Ein Gutachtenverfahren, das 40 Jahre alt ist – Muss das sein?

Der Stein des Anstoßes ist vor allem ein Gutachten, das angefertigt werden muss, wenn die Krankenkasse mehr als 25 Stunden einer Psychotherapie bezahlen soll. Das Gutachten soll einschätzen, ob eine Weiterbehandlung medizinisch sinnvoll ist. Doch ein solches Gutachten ist teuer – und die Qualität der Therapie ist nicht zwingend davon abhängig.

Schon deshalb spricht sich die TK dafür aus, auf dieses Verfahren in Zukunft zu verzichten. Der Vorteil für alle Seiten liegt auf der Hand – die Therapeuten haben mehr Zeit für ihre Patienten, die Versicherer mehr Geld für Behandlungen. Da bleibt zu hoffen, dass eine positive Entscheidung in dieser Frage möglichst bald fällt – im Interesse aller Beteiligten.

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