Tablettensucht wird durch Ärzte gefördert

Freitag, 22. Mai 2009

Wie das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg jetzt in einer Studie veröffentlicht hat, gibt es in Deutschland eine erschreckend hohe Zahl von Menschen mit Tablettensucht – und diese Abhängigkeit wird durch die Praktiken vieler Ärzte noch gefördert.

1,5 Millionen Patienten nehmen demnach süchtig machende Schlaf- und Beruhigungsmittel länger ein, als es in den Leitlinien für Mediziner empfohlen wird. Wie die Analyse von 3,5 Millionen Kassenrezepten ergab, machten die Ärzte rund 800.000 Patienten jährlich zu Dauerkonsumenten der Medikamentengruppe der Benzodiazepine. Etwa 130.000 Patienten wurden auf diese Weise sogar so schwer abhängig, dass sie aus eigener Kraft nur noch in Ausnahmefällen in der Lage waren, sich von ihrer Tablettensucht zu befreien.

Wie die Studie weiter ans Licht brachte, gehen immer mehr Ärzte dazu über, Privatrezepte für Schlafmittel auszustellen, die dann in keiner Statistik auftauchen. Es wird vermutet, dass auf diese Weise versucht wird, Kontrollen dieser Langzeitverschreibungen durch die Kassenärztliche Vereinigung zu verhindern.

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