Narbenbehandlung: Ablauf und Methoden

Um Narben behandeln zu können, stehen dem Mediziner verschiedene invasive und nicht-invasive Methoden zur Verfügung. Eine Operation wird immer dann notwendig, wenn sich das Narbengewebe stark zusammengezogen hat, hart und wulstig wird oder die Narbe zu einer körperlichen Beeinträchtigung führt. Dies zeigt sich vor allem an Gelenken, am Hals, im Gesicht (wo die gesamte Mimik beeinträchtigt sein kann), an der Hand oder im Bereich der Achseln (wo das Heben des Arms unter Umständen nicht mehr möglich ist).

Die Operation lässt die Narbe nicht gänzlich verschwinden, sie kann aber zu einer deutlichen Reduzierung der Sichtbarkeit und Wiedererlangung verloren gegangener Funktionalitäten führen. Je nach zu behandelnder Körperregion wird der Bereich lokal betäubt oder es wird eine andere Narkoseform gewählt.

Dem Operateur stehen drei grundlegende OP-Methoden zur Verfügung. Durch eine Z-Plastik entfernt er die alte Narbe und vernäht die neu entstandenen Wundränder mit einem feinen Faden. Dabei entlastet er durch Z-förmige Schnitte das umliegende Gewebe und sorgt für eine ausreichende Deckung (da ja ein Teil des Hautmantels entfernt wurde). Bei größeren Narben reicht die Z-Plastik zur Defektdeckung nicht aus.

Hierbei wird der nicht abgedeckte Bereich durch eine Hauttransplantation geschlossen. Die benötigte Haut wird an einer nicht sichtbaren Stelle, z.B. dem Oberschenkel, entnommen und mit eingenäht. Dabei kann es zu Farbunterschieden kommen, die sich im Verlauf aber langsam geben. Die Haut kann voll entnommen werden (mit Unterhaut) und unverändert implantiert werden, wobei auch die Entnahmestelle mit einer Naht verschlossen werden muss.

Bei der Variante der Spalthaut wird mittels eines Dermatoms eine feine Schicht von der Oberhaut abgetragen. Durch Auftragen auf eine spezielle Schablone und Ziehen dieser durch eine Walze mit feinen Klingen wird die Haut netzförmig eingeschnitten, so dass sie in ihrer Oberfläche vergrößert wird (= Meshgraft-Methode). Die Entnahmestelle blutet leicht und sieht aus wie eine Ablederung, der Verschluss erfolgt hier mittels Verband.

Bei der dritten Methode ist der Defekt so weit fortgeschritten, dass auch das Unterhautfettgewebe oder ein Teil eines Muskelstranges zur Deckung benötigt werden. Hierbei ist eine Lappentransplantation erforderlich, die zum Teil durch Schwenken von Gewebe aus der Nachbarregion oder zum Teil durch Entnahme an einer anderen Körperstelle erfolgt.

Zum Teil erfolgt die Kaschierung mit Hilfe von Make-up. Das unter dem Begriff Camouflage angewendete, wasserfeste Kosmetikum deckt die meist weiß hervorstechende Narbe ab, so dass sie unsichtbar wird. Das Verfahren eignet sich zur temporären Anwendung oder wenn die verschiedenen Methoden der Medizin nicht ausreichenden Erfolg zeigen.

Nicht-invasive Methoden dienen der schonenden Behandlung kleiner Hautveränderungen. Sie werden bei eingesunkenen oder erhabenen Narben sowie Narbenwucherungen (Keloide) angewendet. Vielfach stellen sie auch den weiteren Behandlungsweg nach einer operativen Korrektur dar. Eine Betäubung ist meist nicht notwendig, in einigen Fällen werden Lotionen oder Cremes aufgetragen, die eine leicht betäubende Wirkung besitzen.

Überstehendes Gewebe lässt sich „abschleifen“ (= Skin Abrader). Meist sind mehrere Sitzungen notwendig, bei denen mit einem feinen Hautschleifer (z.B. Diamantschleifer) die Schichten nach und nach abgetragen werden, bis die Narbe der umgebenden Haut angeglichen ist. Hierbei bleibt das Ausmaß der Narbe vollständig erhalten und kann nur kosmetisch unsichtbar gemacht werden.

Durch Kortisoninjektionen lässt sich die Kollagenproduktion des Körpers eindämmen. Hierdurch können das Narbengewebe reduziert und eine Hypertrophie abgebaut werden. Im Gegensatz dazu eignen sich Biomaterialien wie z.B. Eigenfett, Kollagen oder aber auch Milchsäure zum Auffüllen eingesunkener Narbenregionen.

Mit Hilfe eines Lasers wird die Haut zur Regeneration angeregt. Die provozierte Verbrennung der oberen Schichten führt zu einem Peeling, durch das sich die Narbe glättet und verkleinert. Unterstützend wirken hierbei aufgetragene Cremes auf Säurebasis, wie z.B. Salicylsäure oder auch Trichloressigsäure.

Die Methode der Kryotherapie nutzt flüssigen Stickstoff, um das Narbengewebe zu vereisen. Bei -190°C stirbt das Narbengewebe ab, es kann schmerzfrei entfernt werden, um darunter liegende Schichten zur Regeneration anzuregen. Die Kryotherapie wird vor allem zur Behandlung von Aknenarben eingesetzt, kann aber auch bei wucherndem Narbengewebe genutzt werden.

Der weitere Verlauf richtet sich nach der gewählten Behandlung. Während invasive Methoden mit einer ausgedehnten Nachbehandlung verbunden sind, zeigt sich bei nicht-invasiven Methoden eine relativ schnelle Genesung und Wiedereinsatzfähigkeit. Verbände sind hierbei eher selten, die Risiken und Komplikationen meist gering.

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