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Mir zuliebe

Alltag · 5 Minuten

Drei Atemzüge zwischen zwei Terminen

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Ich habe lange geglaubt, eine Pause müsse aussehen wie eine Pause. Sofa, Decke, Tee, mindestens zwanzig Minuten. Weil ich das selten hatte, machte ich gar keine.

Was ich übersehen hatte: Zwischen zwei Terminen liegen fast immer neunzig Sekunden. Die Zeit, in der ich von einem Raum in den anderen gehe, den Laptop zuklappe, das Telefon in die Hand nehme. Diese Sekunden gehören schon dem nächsten Termin, bevor er angefangen hat.

Was ich stattdessen mache

Ich bleibe im Türrahmen stehen. Drei Atemzüge lang. Nicht tief, nicht bewusst, nichts Besonderes — einfach stehen und atmen, bevor ich weitergehe.

Das klingt nach nichts. Der Effekt ist trotzdem messbar: Ich gehe nicht mehr mit dem Kopf des letzten Gesprächs in das nächste. Vorher habe ich im Meeting noch an die E-Mail davor gedacht und war deshalb in beidem halb.

Warum der Türrahmen

Weil er ein Ort ist, den ich ohnehin passiere. Ich muss mir nichts vornehmen, keine Erinnerung stellen, keine App öffnen. Der Ort erinnert mich.

Das ist der ganze Trick: Ich habe die Pause nicht in meinen Kalender gelegt, sondern an eine Stelle, an der ich sowieso vorbeikomme. Vorsätze vergesse ich. Türrahmen nicht.

Was nicht funktioniert hat

Eine App mit stündlicher Erinnerung. Nach vier Tagen habe ich die Benachrichtigungen weggewischt, ohne sie zu lesen. Eine Erinnerung, die von außen kommt, wird zu einer weiteren Sache, die etwas von mir will.

Auch nicht funktioniert: mir vorzunehmen, „achtsamer" zu sein. Zu vage. Drei Atemzüge im Türrahmen ist so klein, dass es keine Ausrede gibt.

Wenn du es ausprobieren willst

Such dir einen Ort, nicht eine Uhrzeit. Die Küchentür, der Treppenabsatz, der Weg zum Auto. Einer reicht. Wenn du nach einer Woche merkst, dass du es zweimal gemacht hast statt siebzehnmal — das ist trotzdem zweimal mehr als vorher.

Persönlicher Erfahrungsbericht, keine gesundheitliche Beratung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.

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