Morgenroutine · 10 Minuten
Der Morgen, bevor das Handy angeht

Ich habe zwei Jahre lang behauptet, ich hätte morgens keine Zeit. Gemessen habe ich es nie. Als ich es dann getan habe, kam heraus: zwischen Wecker und erstem Blick aufs Display lagen vierzig Sekunden. Zwischen erstem Blick und Aufstehen lagen achtzehn Minuten.
Die Zeit war also da. Sie gehörte nur nicht mir.
Was ich geändert habe
Der Wecker musste raus aus dem Schlafzimmer, weil er im Telefon steckte. Das klingt nach Ratgeber-Klischee, und ich habe es lange abgetan. Der Unterschied ist trotzdem messbar: Ich stehe seitdem im Schnitt sieben Minuten früher auf, weil ich nicht scrolle, sondern wach werde.
Was ich benutze
Analoger Wecker, leise
Der erste, den ich hatte, hat mich wach gehalten statt geweckt. Bei einem neuen Wecker lohnt der Blick darauf, ob das Ticken hörbar ist.
Bei Amazon ansehen Werbelink, öffnet in neuem FensterDie zehn Minuten selbst
Es passiert nichts Besonderes darin. Ich koche Wasser, setze mich ans Fenster und trinke etwas Warmes. Manchmal schreibe ich drei Zeilen auf, meistens nicht.
Der Punkt ist nicht das Ritual. Der Punkt ist, dass in diesen zehn Minuten niemand etwas von mir will. Kein Chat, keine Nachricht, keine Frage, auf die ich antworten müsste. Das ist selten geworden, und es fällt erst auf, wenn man es wieder hat.
Was ich benutze
Notizbuch, das flach aufliegt
Klingt nebensächlich. War es nicht — ein Buch, das beim Schreiben zuklappt, benutzt man nach zwei Wochen nicht mehr.
Bei Amazon ansehen Werbelink, öffnet in neuem FensterWas nicht funktioniert hat
Fünf Uhr aufstehen. Kaltduschen. Eine App, die mich an Achtsamkeit erinnert und dafür eine Push-Nachricht geschickt hat.
Ich schreibe das hin, weil die meisten Beiträge zu diesem Thema nur die Version zeigen, die geklappt hat. Bei mir haben drei von vier Versuchen nicht funktioniert, und das ist vermutlich normal.
Was geblieben ist
Der Wecker und das Fenster. Mehr nicht. Nach acht Monaten ist das die einzige Änderung, die ich nicht wieder aufgegeben habe — vermutlich, weil sie so klein war, dass sie keine Disziplin gebraucht hat.
Persönlicher Erfahrungsbericht, keine gesundheitliche Beratung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.