Schreiben · 15 Minuten
Warum dein Tagebuch leer bleibt
Ich habe drei Tagebücher besessen, bevor ich eines zu Ende geführt habe. Alle drei sind an derselben Stelle gescheitert: Seite vier.
Die ersten drei Seiten sind leicht. Man hat etwas zu erzählen, weil man lange nichts erzählt hat. Ab Seite vier steht man vor einer leeren Seite und einer Frage, die niemand gestellt hat.
Die leere Seite ist das Problem
Nicht die fehlende Zeit, nicht die fehlende Disziplin. Ein leeres Blatt ist eine Aufforderung ohne Richtung. Es fragt nicht, es wartet nur.
Was bei mir geholfen hat: Ich habe aufgehört, an den Anfang zu schreiben, und angefangen, eine von drei Fragen zu beantworten.
Die drei Fragen
Was war heute anstrengender, als es hätte sein müssen?
Wovon hätte ich gern mehr gehabt?
Was habe ich heute gemacht, obwohl ich es nicht wollte?
Alle drei sind absichtlich unangenehm konkret. „Wie geht es mir?" habe ich gestrichen, weil ich darauf ein halbes Jahr lang „ganz okay" geschrieben habe.
Warum diese und keine schöneren
Dankbarkeitslisten haben bei mir nicht funktioniert. Nach zwei Wochen stand jeden Abend dasselbe da, und es fühlte sich an, als würde ich mir selbst etwas vorspielen.
Die drei Fragen oben sind nicht schön, aber sie ergeben nach vier Wochen ein Muster. Bei mir war es: Dieselbe Person taucht in Frage eins immer wieder auf. Das war unangenehm zu lesen und der nützlichste Satz des ganzen Buches.
Was ich benutze
Liniertes Notizbuch mit fester Bindung
Ich brauche Linien, sonst wird es krakelig und ich mag es nicht mehr aufschlagen. Fadenbindung, weil geleimte Bücher bei mir auseinanderfallen.
Bei Amazon ansehen Werbelink, öffnet in neuem FensterFünfzehn Minuten reichen
Ich schreibe nicht jeden Tag. Ich schreibe an den Tagen, an denen ich merke, dass ich unruhig bin, ohne zu wissen warum. Das sind zwei bis drei pro Woche.
Wenn du gerade nichts hast, worüber du schreiben willst, brauchst du auch nichts zu schreiben. Ein Tagebuch mit Lücken ist kein gescheitertes Tagebuch.
Persönlicher Erfahrungsbericht, keine gesundheitliche Beratung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.