Grenzen · 25 Minuten
Nein sagen, ohne dich zu erklären
Mein Problem war nie, dass ich nicht nein sagen wollte. Mein Problem war, dass ich im Moment der Frage nichts parat hatte und deshalb ja gesagt habe.
Nein sagen ist keine Charakterfrage. Es ist eine Frage der Vorbereitung.
Warum Begründungen schaden
Jede Begründung ist eine Einladung zur Verhandlung. Sage ich „ich kann nicht, ich habe schon etwas vor", kommt zurück: „Und danach?" Sage ich „ich bin gerade sehr müde", kommt: „Es dauert nur kurz."
Die Begründung gibt der anderen Person etwas, woran sie ansetzen kann. Ein Nein ohne Begründung nicht.
Die vier Sätze
„Das geht bei mir nicht, tut mir leid."
„Ich sage diesmal nein."
„Das schaffe ich nicht, ohne dass etwas anderes liegen bleibt."
„Ich melde mich, wenn es bei mir passt." — nur, wenn ich es auch vorhabe.
Alle vier sind kurz. Das ist Absicht. Je länger der Satz, desto mehr Angriffsfläche.
Was mich überrascht hat
Ich hatte erwartet, dass Leute beleidigt reagieren. Bei mir ist das in acht Monaten zweimal passiert. Der Rest hat „okay" gesagt und weitergemacht.
Die Reaktion, vor der ich Angst hatte, war fast nie die Reaktion, die kam. Die Angst kam von mir, nicht von den anderen.
Wo es weiter schwierig ist
Bei Menschen, die mir wichtig sind, und bei der Arbeit. Da fällt mir der kurze Satz immer noch schwer, und ich rutsche in Erklärungen.
Ich schreibe das dazu, weil ich nicht behaupten will, das sei gelöst. Es ist bei Bekannten gelöst und bei nahen Menschen nicht.
Wenn du es üben willst
Nicht bei den schweren Fällen anfangen. Ich habe mit Umfragen an der Haustür und Newsletter-Anmeldungen im Laden geübt — Situationen ohne Folgen. Der Satz muss sich im Mund vertraut anfühlen, bevor er beim ersten Mal zählt.
Persönlicher Erfahrungsbericht, keine gesundheitliche Beratung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.