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Mir zuliebe

Selbstbild · 5 Minuten

Der Satz, den ich mir nicht geglaubt habe

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Ich bin lange an Affirmationen vorbeigescrollt. „Du bist genug." „Glaub an dich." Schöne Sätze, die an mir abperlten wie Regen an einer Jacke. Ich habe sie gelesen, kurz genickt und weitergescrollt — und mich danach kein bisschen anders gefühlt.

Irgendwann habe ich verstanden, woran das lag: Ich habe die Sätze konsumiert, nicht benutzt. Ein Satz, den jemand anderes ins Internet stellt, ist eine Meinung über mich. Ein Satz, den ich selbst aufschreibe, ist eine Entscheidung.

Was ich stattdessen mache

Ich nehme mir morgens fünf Minuten, bevor der Tag laut wird. Ich wähle einen einzigen Satz — nicht zehn — und schreibe ihn von Hand auf. Auf einen Zettel, der an den Badezimmerspiegel wandert, oder auf eine Karte, die in die Jackentasche kommt.

Einen, den ich an diesem Tag tatsächlich glauben kann. „Ich bin stolz auf das, was ich schon geschafft habe" geht fast immer. „Ich feiere Fortschritte, auch wenn sie klein sind" auch. An guten Tagen darf es größer sein.

Warum aufschreiben

Gedachte Sätze verdunsten. Geschriebene bleiben liegen — und der Zettel am Spiegel erwischt mich abends noch einmal, wenn ich längst wieder im Kopf des Tages bin. Ich muss mir nichts merken und keine App öffnen. Der Ort erinnert mich.

Nach ein paar Wochen liegt da ein kleiner Stapel. Das ist der eigentliche Effekt: Ich kann nachlesen, was ich mir alles schon zugetraut habe. Gegen dieses Archiv kommt der Zweifel schwerer an als gegen einen guten Vorsatz.

Was nicht funktioniert hat

Sätze, die zu groß für mich waren. „Ich liebe mich bedingungslos" stand einmal da und fühlte sich an wie ein geliehenes Kleidungsstück, das nicht passt. Der Kopf winkt bei so etwas sofort ab — und dann ist die ganze Übung unglaubwürdig.

Auch nicht funktioniert: Affirmationen als Pflichtprogramm, jeden Morgen zehn Stück vor dem Spiegel. Nach einer Woche war es ein weiterer Punkt auf der Liste der Dinge, die etwas von mir wollen.

Wenn du es ausprobieren willst

Ein Satz. Von Hand. An einen Ort, an dem du sowieso vorbeikommst. Nimm einen, den du heute glauben kannst — nicht den, den du glauben solltest. Du musst niemandem beweisen, dass du genug bist. Aber es hilft, es dir selbst gelegentlich schriftlich zu geben.

Persönlicher Erfahrungsbericht, keine gesundheitliche Beratung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.

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