Beziehungen · 10 Minuten
Warum ich mich mit weniger zufriedengegeben habe

Ich kenne das Gefühl, so viel zu geben, dass ich mich selbst dabei aus den Augen verliere. Ich habe mich angepasst, meine Bedürfnisse zurückgestellt und darauf gehofft, dass dafür irgendwann die Liebe und Wertschätzung zurückkommen, nach der ich mich gesehnt habe.
Das Geben war nicht das Problem. Das Problem war, dass ich mich dabei selbst nicht mehr mitgezählt habe.
Drei Fragen an mich
Irgendwann habe ich angefangen, mir drei Fragen zu stellen — nicht über die anderen, sondern über mich:
Fühle ich mich in dieser Beziehung wirklich wohl?
Darf ich sagen, was ich brauche?
Fühle ich mich gesehen, respektiert und angenommen?
Zurück zu mir haben mich danach drei kleine Schritte gebracht.
Erstens: Gefühle ernst nehmen
Wenn mich etwas verletzt oder erschöpft hat, habe ich es früher kleingeredet. Inzwischen schaue ich hin. Ein Gefühl muss nicht erst groß genug sein, damit es zählen darf.
Zweitens: freundlich Grenzen setzen
Ich darf nein sagen, ohne mich jedes Mal zu rechtfertigen. Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die der anderen — nicht wichtiger, aber auch nicht weniger.
Wie ich das Nein konkret übe, steht im Beitrag Nein sagen, ohne dich zu erklären.
Drittens: beobachten, was mir guttut
Ich achte darauf, bei welchen Menschen ich mich sicher, wertgeschätzt und frei fühle, ich selbst zu sein. Und bei welchen nicht. Das ist keine Liste zum Aussortieren, sondern eine ehrliche Beobachtung.
Was Selbstliebe für mich heißt
Nicht, sofort loszulassen. Nicht, immer stark zu sein. Sondern mich selbst nicht länger zu vergessen, während ich für andere da bin.
Ich muss mir Liebe nicht verdienen. Liebe sollte sich nicht wie ein Wettbewerb anfühlen. Ich darf Beziehungen führen, in denen Geben und Nehmen im Gleichgewicht sind und in denen ich mich nicht verstellen muss, um dazuzugehören.
Was ich benutze
„Das Kind in dir muss Heimat finden" von Stefanie Stahl
Für alle, die verstehen wollen, warum sie sich anpassen, statt zu sagen, was sie brauchen. Das Buch erklärt verständlich, wie alte Glaubenssätze unser Verhalten in Beziehungen prägen.
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Nimm dir zehn Minuten und eine Beziehung, an die du gerade denkst. Stell dir die drei Fragen von oben und schreib die Antworten auf, ohne sie gleich zu bewerten. Dann noch eine vierte: Was möchtest du dir ab heute wieder mehr erlauben?
Schritt für Schritt. Dir zuliebe.
Persönlicher Erfahrungsbericht, keine gesundheitliche Beratung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.